4. Mai 2015

8. Mai 1945 – 70 Jahre Ende des II. Weltkrieges in Europa

Warum es wichtig ist, dass der Tag der Befreiung zum Gedenktag wird

In Brandenburg ist der 8. Mai jetzt offizieller Gedenktag. Auf Initiative der Linkspartei verabschiedete der Landtag Ende April einen gemeinsamen Gesetzentwurf von LINKEN, SPD und Grünen. Dies ist ein wichtiger und richtiger Schritt, da der Umgang mit dem Tag der Befreiung in Deutschland bis heute ambivalent ist.

Es ist Punkt 15:00 Uhr als am 8. Mai 1945 in ganz Frankreich die Glocken das Ende des II. Weltkrieges in Europa einläuten.  Die Menschen nicht nur in Frankreich, sondern in vielen Ländern weltweit, strömten auf die Straßen und Plätze ihrer Städte um den Sieg über Deutschland, die Befreiung vom Hitlerfaschismus und den Frieden in Europa zu feiern. Bereits am 7. Mai hatte ein Vertreter der deutschen Wehrmacht die bedingungslose Kapitulation der deutschen Truppen im französischen Reims unterzeichnet. Das Ende der Kampfhandlungen wurde für den 8. Mai um 23:01 Uhr festgelegt. Während jedoch die bewaffneten Auseinandersetzungen gerade in Berlin und auch in anderen Teilen des besiegten deutschen Reiches anhielten, war für viele Menschen in Europa, deren Städte bereits durch die Alliierten befreit waren, der 8. Mai ein Tag der kollektiven Freude. So ist es kaum verwunderlich, dass in vielen Ländern der Tag der Befreiung bis heute gefeiert wird. Während in Frankreich, Tschechien und der Slowakei der 8. Mai als Tag des Sieges und der Befreiung begangen wird, wird der Bevrijdingsdag (zu Deutsch: Befreiungstag) in den Niederladen bereits am 5. Mai begangen. In der Sowjetunion wurde der Tag des Sieges am 9. Mai gefeiert, da die Kapitulation nach Moskauer Ortszeit erst am dem 9. Mai in Kraft trat und sich außerdem die protokollarische Unterzeichnung der Kapitulation gegenüber der Roten Armee bis zum 9. Mai hinauszog. Nach wie vor ist der Tag des Sieges in einigen Nachfolgestaaten der UdSSR Feiertag, so etwa in Russland und der Ukraine.

Auch in der DDR war der 8. Mai seit 1950, anknüpfend an das antifaschistische Gründungsverständnis des Staates, offizieller Feiertag. Dieser fiel aber mit der Einführung der 5-Tage-Woche 1967 weg. 1975 wurde dann, wie auch in der Sowjetunion, der 9. Mai als Tag des Sieges zum arbeitsfreien Tag erhoben. 1985 gab es anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung letztmalig einen echten Feiertag.

Deutlich schwerer tat sich die BRD mit dem 8. Mai. Zwar fanden insbesondere zu runden Jubiläen des Kriegsendes immer wieder offizielle Veranstaltungen statt, dennoch war für viele dieser Tag nicht der Tag der Befreiung, sondern der Tag der Niederlage Deutschlands, oft genug auch der Tag ihrer eigenen Niederlage. Diese ambivalente Verhältnis findet insbesondere in der vielbeachten Rede des kürzlich verstorbenen Bundespräsidenten Richard von Weizäcker „Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europas und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ ihren Ausdruck. So sprach von Weizäcker, dessen Vater selbst im sogenannten Wilhelmsstraßenprozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde, zwar davon, dass der 8. Mai ein Tag der Befreiung war. So habe er die Deutschen vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft befreit, dennoch ist für von Weizäcker der 8. Mai kein Tag zum Feiern. Vielmehr verweist er darauf, dass für viele Menschen dieser Tag mit ganz unterschiedliche Erfahrungen verknüpft sei. Bis heute sind es insbesondere konservative Politiker, die die Bedeutung des Tages dadurch zu schmälern versuchen, indem sie darauf verweisen, dass für viele Deutsche der 8. Mai auch Beginn von Gefangenschaft und Vertreibung war. Zumal, so ihre Lesart, am 8. Mai nur ein Teil der Deutschen von der Diktatur befreit wurde, während der andere Teil im Osten Deutschlands erst mit der politischen Wende in der DDR 1989 tatsächlich befreit worden sei. Eine solche Sichtweise relativiert allerdings die Tatsache, dass der deutschen Teilung eben die bis heute unvergleichlichen Verbrechen der Shoa und des II. Weltkrieges vorausgegangen waren, die Millionen von Menschen das Leben kosteten und für die wir Deutschen die vollumfängliche historische Schuld tragen. Der 8. Mai ist damit, für DIE LINKE ein Tag der Mahnung, an die Verbrechen des Nationalsozialismus und gleichzeitig ein Tag zum Feiern, da er der Tag des Sieges über Nazideutschland darstellt. Aber natürlich ist und bleibt er für uns in erster Linie der Tag der Befreiung. Befreit wurden tausende Menschen aus den Lagern der Nazis, die nur knapp ihren Mördern entkommen sind. Viele körperlich mehr tot als lebendig, völlig entkräftet durch Hunger, Folter und Zwangsarbeit.

Die PDS forderte nach der Wende, dass der Tag der Befreiung zum offiziellen Feiertag erklärt werden sollte und auch für DIE LINKE ist diese Forderung nach wie vor aktuell. Deshalb ist es ein guter und wichtiger Schritt, dass der 8. Mai nun zum 70. Jahrestag der Befreiung in Brandenburg zum offiziellen Gedenktag erhoben wird. Besonders erfreulich ist hierbei, dass der Antrag nicht nur von den beiden Regierungsfraktionen unterstützt wird, sondern sich mit den Grünen auch eine Oppositionsfraktion dem Antrag anschloss. In der gemeinsamen Begründung heißt es: „Mit dieser Gesetzesänderung, den 8. Mai im Land Brandenburg als Gedenktag fest zu verankern und damit bewusst herauszuheben, soll dem künftigen und notwendigen Gedenken an die Befreiung vom Hitler-Regime und das Kriegsende ein fester Rahmen gegeben werden, um die Erinnerung an dieses einschneidende Ereignis auch im öffentlichen Leben und für die künftigen Generationen zu erhalten.“ DIE LINKE wird auch weiterhin dieses Gedenken aktiv mitgestalten und darüber hinaus dafür eintreten, dass der 8. Mai seiner Bedeutung angemessen nicht nur Gedenktag ist, sondern bundesweit zum offiziellen Feiertag wird.

Insbesondere vor dem Hintergrund nationalistischer Tendenzen, Übergriffe auf ausländische Mitbürger und Brandanschläge auf Flüchtlingsheime bleibt die Erinnerung an den Tag der Befreiung vom Faschismus hochaktuell. Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! – heißt es auch 70 Jahre nach der Befreiung der Konzentrationslager.

Ein Feiertag an dem wir gemeinsam an die Verbrechen und die Opfer der Shoa und des II. Weltkrieges erinnern, ein Feiertag, an dem wir uns gemeinsam die aktuellen Herausforderungen im Kampf gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus vergegenwärtigen, aber auch ein Feiertag an dem wir gemeinsam den Sieg der Menschlichkeit über den Nationalsozialismus feiern.

 

Matthias Loehr

Landtagsabgeordneter